Die Teuerung in Deutschland hat im Spätsommer 2026 weiter an Dynamik gewonnen. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) in Wiesbaden lag die Inflationsrate im August 2026, gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahresmonat, bei 2,9 Prozent. Damit setzt sich der in den Vormonaten beobachtete Anstieg fort. Im Juli 2026 hatte die Teuerungsrate bei 2,8 Prozent gelegen, nachdem sie im Juni 2026 noch bei 2,3 Prozent notiert worden war. Im Vergleich zum Vormonat Juli 2026 erhöhten sich die Verbraucherpreise im August um schätzungsweise 0,2 Prozent.
Hauptverantwortlich für den erneuten Zuwachs der Gesamtteuerung war die Entwicklung im Energiesektor. Die Preise für Energieprodukte verteuerten sich im August 2026 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 10,5 Prozent. Die Teuerungsrate in diesem Segment hat sich damit merklich beschleunigt: Im Juli 2026 hatte das Plus bei den Energiepreisen noch 8,3 Prozent betragen, im Juni 2026 hatte die Steigerung im Jahresvergleich bei 3,4 Prozent gelegen. Die Energiekomponente bleibt somit der dominierende Faktor für den Gesamtanstieg des Verbraucherpreisniveaus.
Ein differenziertes Bild ergibt sich beim Blick auf die Kerninflation, die die stark schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel ausklammert. Diese Kernrate verharrte im August 2026 bei 2,4 Prozent und blieb damit gegenüber dem Vormonat Juli 2026 unverändert. Das stabile Niveau der Kernteuerung verdeutlicht, dass der jüngste Inflationsschub in erster Linie von volatilen Preisentwicklungen angetrieben wurde und sich nicht unmittelbar im selben Ausmaß auf die übrigen Bereiche der Volkswirtschaft übertragen hat.
Eine spürbare Verlangsamung der Teuerung verzeichneten unterdessen die Nahrungsmittel. Die Preise für Nahrungsmittel stiegen im August 2026 im Jahresvergleich lediglich um 0,1 Prozent. In den vorangegangenen drei Monaten – Mai, Juni und Juli 2026 – hatte der Preisanstieg bei Lebensmitteln jeweils noch bei 0,4 Prozent im Vorjahresvergleich gelegen. Damit wirkte die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise im Berichtsmonat August dämpfend auf die Gesamtrate.
Differenziert stellte sich die Lage zudem bei der Unterteilung in Waren und Dienstleistungen dar. Die Preise für Waren insgesamt erhöhten sich im August 2026 um 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Dieser Wert lag über dem im Juli 2026 verzeichneten Anstieg von 2,5 Prozent, was im Wesentlichen auf die stark gestiegenen Energiekosten zurückzuführen ist. Bei den Dienstleistungen zeigte sich dagegen ein leichter Rückgang des Preisdrucks: Die Dienstleistungspreise legten im August 2026 im Vorjahresvergleich um 2,8 Prozent zu, nach einem Plus von 2,9 Prozent im Juli 2026.
Der für europäische Vergleichszwecke berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland spiegelte das nationale Ergebnis wider. Nach den vorläufigen Schätzungen stieg der HVPI im August 2026 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat um 2,9 Prozent. Gegenüber dem Vormonat Juli 2026 ergab sich ein Anstieg von 0,2 Prozent.
Die aktuellen Inflationsdaten stehen auch im Fokus der europäischen Geldpolitik. Vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Ölpreise und des zunehmenden Risikos eines erneuten Gaspreisschocks sieht ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski Argumente für eine weitere Zinserhöhung durch die Entscheidungsträger der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Kombination aus erhöhtem Preisdruck im Energiebereich und stabilen Kernraten dürfte die Debatte über den künftigen Zinskurs in den kommenden Sitzungen weiter prägen.