Verbraucher in Deutschland müssen sich auf eine spürbare Teuerung bei der Wärmeversorgung einstellen. Infolge der militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA, Israel und dem Iran sowie massiv gestiegener Notierungen an den kontinentalen Handelsplätzen warnt das Vergleichsportal Verivox vor einem deutlichen Anstieg der Gaspreise für private Haushalte. Die Entwicklung an den internationalen Rohstoffmärkten schlägt damit zunehmend auf die Endkunden durch, während die Heizperiode näher rückt.
Großhandelspreise erreichen Mehrjahreshoch
Auslöser der aktuellen Teuerungswelle ist die Zuspitzung geopolitischer Krisen, die die europäischen Energiebörsen in erhebliche Unruhe versetzt hat. Der europäische Großhandelspreis für Erdgas kletterte in der laufenden Handelswoche auf den höchsten Stand seit mehr als dreieinhalb Jahren. Diese Entwicklung spiegelt die wachsende Sorge der Marktteilnehmer vor Versorgungsrisiken und Verknappungen wider, die durch militärische Konfrontationen im Nahen Osten befeuert werden.
Weil Erdgas auf Großhandelsebene teurer gehandelt wird als im gesamten Verlauf der vergangenen drei Jahre, verändert sich das Kostengefüge für Energieversorger gravierend. Einkaufsstrategien, die in ruhigeren Marktphasen für Preisstabilität sorgten, geraten durch die anhaltend hohen Börsenpreise unter Druck. Für Haushalte bedeutet dieser Trend ein Ende der vorübergehenden Beruhigung bei den Heizkosten.
Verivox rechnet mit spürbarem Anstieg zum Jahreswechsel
Das Energie- und Vergleichsportal Verivox erwartet vor diesem Hintergrund deutliche Anpassungen der Tarife für Verbraucher. Nach Einschätzung des Verivox-Energieexperten Thorsten Storck müssen sich insbesondere Bestandskunden auf Mehrkosten einstellen, sollten die Börsennotierungen nicht zeitnah und nachhaltig nachgeben.
Gegenüber der Rheinischen Post bezifferte Storck die absehbare Belastung: Sollte das aktuelle Preisniveau an den Handelsplätzen bestehen bleiben, hält das Vergleichsportal bei Bestandskunden Preiserhöhungen in einer Spanne von 10 bis 20 Prozent zum Jahreswechsel für möglich. Storck führte zur Ursache der Preisdynamik wörtlich aus: „Aufgrund der aktuell stark angestiegenen Großhandelspreise für Gas, dem geringen Füllstand der Gasspeicher in Deutschland und dem kommenden Winter erwarten wir einen Anstieg“.
Reaktionszeit von Neu- und Bestandskundentarifen
Die Weitergabe der gestiegenen Beschaffungskosten verläuft im Markt auf zwei unterschiedlichen Zeitschienen. Am raschesten spüren Neukunden die veränderten Vorzeichen: Wie Storck darlegte, bilden die Konditionen für Neukunden die Ausschläge an den Großhandelsmärkten besonders schnell ab. In diesem Segment schlagen die Teuerungen bereits voll durch – seit Februar sind die Tarife für Neukunden laut Verivox um über ein Drittel in die Höhe geschossen.
Für Bestandskunden wirken sich die Großhandelssprünge hingegen mit einer zeitlichen Verzögerung aus. Zur Preisentwicklung bei bestehenden Verträgen erläuterte der Verivox-Experte: „Die Bestandskundentarife reagieren langsamer auf die Preisentwicklungen, werden aber früher oder später ebenfalls steigen. Beim aktuellen Preisniveau sind Preiserhöhungen zwischen 10 und 20 Prozent zum Jahreswechsel möglich.“ Da viele Versorger ihr Beschaffungsportfolio langfristig absichern, schlagen kurzfristige Preisschocks erst dann auf die Grundversorgung und Bestandsverträge durch, wenn Kontingente zu den neuen, höheren Bedingungen nachgekauft werden müssen.
Hohe Anfälligkeit durch vollständige Importabhängigkeit
Die erneuten Preissprünge verdeutlichen eine strukturelle Verwundbarkeit des heimischen Energiesektors. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) weist darauf hin, wie sensibel der europäische und deutsche Markt auf externe geopolitische Schocks reagiert. Malte Küper, Energieexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft, ordnete die Situation gegenüber Medien dahingehend ein, dass die deutsche Wirtschaft sowie die Europäische Union insgesamt nahezu vollständig auf Gasimporte angewiesen sind.
Diese ausgeprägte Abhängigkeit von ausländischen Gaslieferungen führt dazu, dass regionale Konflikte, an denen wichtige Akteure beteiligt sind, unmittelbare Schockwellen im europäischen Energiehandel auslösen. Da Deutschland über keine signifikanten eigenen Erdgasvorkommen verfügt und die Vorräte importiert werden müssen, schlagen globale Verwerfungen direkt auf das heimische Preisniveau durch.
Spannungsfeld vor den Wintermonaten
Das Zusammentreffen mehrerer Faktoren verschärft die Ausgangslage für die Verbraucher im Vorfeld der Heizperiode. Neben den militärischen Spannungen im Nahen Osten belasten die aktuellen Füllstände der deutschen Gasspeicher die Marktstimmung. Sind die Speicher zu diesem Zeitpunkt des Jahres nur unzureichend befüllt, erhöht sich der Druck, zu teuren Konditionen an den Börsen nachzukaufen, um die Versorgungssicherheit für die kalte Jahreszeit zu gewährleisten.
Für die privaten Haushalte zeichnet sich damit ab, dass die Ausgaben für Wärme und Warmwasser nach den bisherigen Verteuerungen bei Neuverträgen bald auch in bestehenden Lieferverträgen spürbar steigen könnten. Sollte der Großhandelspreis auf dem Niveau der jüngsten Mehrjahreshochs verharren, dürften die Ankündigungen von Preiserhöhungen um bis zu 20 Prozent für Millionen Gaskunden zum kommenden Jahreswechsel Wirklichkeit werden.