Stromausfall bei Google Cloud führt zu weitreichenden Ausfällen bei Neobank Revolut

Stromausfall bei Google Cloud führt zu weitreichenden Ausfällen bei Neobank Revolut

User avatar placeholder
Verfasst von Hans Baron

20.10.2026

Ein technischer Zwischenfall in der Cloud-Infrastruktur von Google hat am Dienstagmorgen erhebliche Störungen im europäischen Finanzsektor verursacht. Betroffen war vor allem die britische Neobank Revolut, deren Kundinnen und Kunden über Stunden hinweg elementare Bankdienstleistungen weder mobil noch stationär in Anspruch nehmen konnten. Auch andere Finanzinstitute verzeichneten zeitgleiche Probleme in ihren digitalen Schnittstellen.

Der Vorfall begann nach Angaben von Google am Dienstagmorgen, dem 20. Oktober 2026, um 06:08 Uhr GMT (08:08 Uhr MESZ). Auf dem offiziellen Status-Dashboard ordnete der Technologiekonzern das Ereignis in der Region London (europe-west2) ein. Konkret war die Rechenzentrumszone europe-west2-b von der Störung betroffen. Google stufte die Ursache des Problems als Stromausfall („Power Event“) ein, der unmittelbar zur Nichtverfügbarkeit zahlreicher Clouddienste in dem betroffenen Areal führte.

Die Auswirkungen dieses Infrastrukturverlusts machten sich unmittelbar bei digitalen Dienstleistern bemerkbar, die ihre Systeme in der betreffenden Region betreiben. Bei Revolut führte der Vorfall zu einer Kettenreaktion: Auf dem firmeneigenen Status-Dashboard waren zeitweise 31 einzelne Dienste als gestört oder nur eingeschränkt funktionsfähig markiert. Die Beeinträchtigungen betrafen nahezu das gesamte operative Spektrum des Finanztechnologieunternehmens.

Nutzerinnen und Nutzer konnten vorübergehend weder an Kassenterminals im Einzelhandel mit Debit- oder Kreditkarten bezahlen noch Bargeld an Geldautomaten abheben. Ebenso waren reguläre Banküberweisungen lahmgelegt. Der Zugriff auf die Konten war für viele Kunden unmöglich, da die Log-in-Systeme sowohl in der mobilen Applikation als auch im Webbanking ausfielen. Auch spezialisierte Angebote der Plattform, darunter der integrierte Handel mit Wertpapieren und Kryptowährungen, standen während der Dauer der Störung nicht zur Verfügung.

Revolut bestätigte die Probleme während des laufenden Vorfalls und versuchte, Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Kontoführung zu zerstreuen. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte: „Derzeit erleben wir eine Dienstunterbrechung, die mehrere Dienste betrifft. Wir können bestätigen, dass das Geld und die Daten all unserer Kunden sicher sind.“

Die Störungen beschränkten sich am Dienstag jedoch nicht ausschließlich auf Revolut. Auch traditionelle britische Bankhäuser meldeten parallele Probleme in ihren Systemen. Bei Instituten wie der Lloyds Bank, Halifax, der Bank of Scotland und der HSBC traten zeitgleich Störungen auf, die sich primär auf die Online-Banking-Portale und Smartphone-Apps auswirkten. Kundinnen und Kunden konnten sich dort vorübergehend nicht anmelden oder Transaktionen freigeben.

Zudem kam es bei der Direktbank ING am Dienstagmorgen zu stundenlangen Log-in-Problemen im Online-Banking. In diesem Fall ist ein direkter Zusammenhang mit dem Stromausfall bei Google Cloud allerdings mit geringerer Konfidenz zu bewerten, da eine entsprechende Bestätigung seitens des Instituts bisher nicht vorliegt und die Ursache bankintern unkommentiert blieb.

Am Dienstagnachmittag entspannte sich die Lage in den Rechenzentren schließlich. Google teilte auf seiner Statusseite mit, dass das zugrundeliegende Problem in der Stromversorgung behoben worden sei. Die betroffenen Systeme und die darauf aufbauenden Dienste der Cloud-Kunden wurden im Anschluss schrittweise wieder hochgefahren, woraufhin sich auch die Verfügbarkeit der Banking-Apps im Laufe des Nachmittags wieder normalisierte.

Der Vorfall verdeutlicht erneut die strukturelle Abhängigkeit moderner Finanzdienstleister von wenigen globalen Hyperscalern. Zwar werben Plattformen wie Revolut mit hoher Agilität und moderner Infrastruktur, ein physischer Ausfall von Stromtrassen oder Notstromaggregaten in einzelnen Rechenzentrumsclustern kann jedoch weiterhin zu großflächigen Stillständen in der digitalen Zahlungsinfrastruktur führen, sofern Redundanzen über mehrere unabhängige Zonen hinweg nicht greifen.

Image placeholder

Bürgerjournalisten, denen der Naturschutz sehr am Herzen liegt.