Valeria Gordeev gewinnt den ZDF-„aspekte“-Literaturpreis 2026 für ihr Romandebüt

Valeria Gordeev gewinnt den ZDF-„aspekte“-Literaturpreis 2026 für ihr Romandebüt

User avatar placeholder
Verfasst von Hans Baron

02.10.2026

Die deutsche Schriftstellerin und Illustratorin Valeria Gordeev erhält den renommierten ZDF-„aspekte“-Literaturpreis für das Jahr 2026. Prämiert wird ihr Romandebüt „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“, das im Frankfurter S. Fischer Verlag erschienen ist. Die Auszeichnung des Zweiten Deutschen Fernsehens ist mit 10.000 Euro dotiert und wird alljährlich für die beste deutschsprachige Erstlingsprosa vergeben. Mit der Zuerkennung rückt ein Werk in den Fokus, das bereits im Vorfeld seiner Veröffentlichung im literarischen Betrieb erhebliche Aufmerksamkeit auf sich zog.

Die fünfköpfige Jury begründete ihre Entscheidung mit der erzählerischen Spannweite und dem formalen Anspruch des Debüts. In der offiziellen Urteilsbegründung heißt es: „In der Tradition der russischen grotesken Literatur erzählt Valeria Gordeev mit überbordender Fabulierlust von den Stressmomenten unserer Gegenwart und vom Größenwahn, die Naturgesetze aushebeln zu wollen. Die Absurditäten von Krieg, Gewalt und Diktatur verwandeln sich in lebendige, schillernde, mitunter grotesk komische Literatur. Mit ‚Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle‘ legt die Autorin ein außerordentlich bilderreiches, kaleidoskopartig erzähltes Debüt vor, das zu Recht mit dem ‚aspekte‘-Literaturpreis 2026 ausgezeichnet wird.“

Verantwortlich für das Votum zeichnet eine unabhängige Fachjury, der in diesem Jahr Mara Delius von der Tageszeitung „Die Welt“, Christian Dunker von der Berliner Buchhandlung Geistesblüten, Daniel Fiedler aus der ZDF-Kulturredaktion, David Hugendick von der Wochenzeitung „Die Zeit“ sowie Nicola Steiner vom Literaturhaus Zürich angehörten.

Inhaltlich verknüpft „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“ zwei disparate Lebensrealitäten über Landesgrenzen hinweg. Im Mittelpunkt stehen die beiden Geschwister Konstantin und Lada, zwischen denen ein Altersunterschied von 17 Jahren liegt. Konstantin arbeitet in Moskau in einem streng geheimen Forschungslabor, das mit der Erhaltung des konservierten Leichnams von Revolutionsführer Wladimir Iljitsch Lenin betraut ist. Seine Schwester Lada befindet sich zur selben Zeit in Berlin, wo sie gegen die baulichen und logistischen Herausforderungen bei der Sanierung ihrer unbewohnbar gewordenen Wohnung ankämpft. Verbunden sind beide Figuren durch ihren gemeinsamen Patenonkel, einen russischen Oligarchen. Dieser verfolgt radikale transhumanistische Ambitionen und investiert beträchtliche Mittel in den Versuch, den biologischen Alterungsprozess aufzuhalten und den menschlichen Tod zu besiegen.

Für die 1986 in Tübingen geborene Autorin setzt sich mit dem Preis ein bemerkenswerter Werdegang fort. Valeria Gordeev hatte bereits im Sommer 2023 für Aufsehen gesorgt, als sie bei den 47. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt mit Auszügen aus dem damals noch unvollendeten Manuskript antrat. Die dortige Jury sprach ihr für diesen Textauszug den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis zu.

Auch im laufenden Literaturherbst 2026 bleibt der Roman Gegenstand intensiver Diskussionen: Das Buch schaffte es auf die sechsköpfige Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2026. Welches Werk diesen Branchenpreis erhält, entscheidet sich am 5. Oktober 2026 im Frankfurter Römer, wenige Tage vor Beginn der Buchmesse.

Die feierliche Verleihung des ZDF-„aspekte“-Literaturpreises findet am Donnerstag, den 8. Oktober 2026, um 11:30 Uhr auf der Frankfurter Buchmesse statt. Die Auszeichnung wird traditionell auf der gemeinsamen Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat überreicht. Ein begleitendes Porträt der Preisträgerin strahlt das ZDF am darauffolgenden Tag aus: In der Kultursendung „aspekte“ wird Gordeev am Freitag, den 9. Oktober 2026, vorgestellt. Der Beitrag ist ab 21:00 Uhr über die ZDF-Mediathek und das Streaming-Portal des Senders verfügbar, bevor die lineare Fernsehausstrahlung am späten Abend um 23:30 Uhr folgt.

Image placeholder

Bürgerjournalisten, denen der Naturschutz sehr am Herzen liegt.