Nationale Präventionskonferenz fordert mehr Einsatz für psychische Gesundheit in der Arbeitswelt

Nationale Präventionskonferenz fordert mehr Einsatz für psychische Gesundheit in der Arbeitswelt

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Verfasst von Hans Baron

24.10.2026

Angesichts anhaltend hoher Ausfallzeiten im Berufsleben fordert die Nationale Präventionskonferenz (NPK) grundlegende Verbesserungen bei der Vorsorge und dem Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. In einem am 22. Oktober 2026 veröffentlichten gemeinsamen Positionspapier wenden sich die stimmberechtigten Mitglieder des Gremiums direkt an die Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Gesundheitspolitik. Sie verlangen ein deutlich stärkeres Engagement, um psychische Belastungen im Erwerbsleben abzubauen und die seelische Gesundheit der Beschäftigten nachhaltig zu stabilisieren.

Millionen Fehltage und Frühverrentungen belasten das System

Die Dringlichkeit des Vorstoßes untermauert das Bündnis mit Zahlen aus der jüngsten Vergangenheit. Nach Angaben der Nationalen Präventionskonferenz waren im Jahr 2024 deutschlandweit rund 147,3 Millionen krankheitsbedingte Fehltage auf psychische Erkrankungen zurückzuführen. Überdies betrafen 42 Prozent aller Neuzugänge bei den Erwerbsminderungsrenten im selben Jahr Menschen mit psychischen Diagnosen. Diese Entwicklung stellt nicht nur die sozialen Sicherungssysteme, sondern auch die Betriebe vor erhebliche Herausforderungen.

Der amtierende NPK-Vorsitzende und Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), Dr. Stephan Fasshauer, warnte vor den weitreichenden Konsequenzen für Individuum und Gesellschaft: „Arbeit ist ein wichtiger Faktor für die psychische Gesundheit und die psychische Gesundheit ist ein wichtiger Faktor für die Arbeit. Lange Fehlzeiten, zunehmende Einsamkeit und eine hohe Zahl von Erwerbsminderungsrenten aufgrund von psychischen Erkrankungen müssen uns alarmieren. Menschen drohen den Kontakt zum sozialen Umfeld und zur Arbeitswelt zu verlieren und unserer Wirtschaft gehen wichtige Ressourcen verloren.“

Engere Verzahnung betrieblicher Säulen

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fordert die NPK, Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung systematisch auszubauen. Ein zentraler Ansatzpunkt liegt in der strukturellen Verbindung bestehender betrieblicher Instrumente: Der klassische Arbeitsschutz, die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) sollen künftig wesentlich enger miteinander verzahnt werden, statt isoliert nebeneinander zu stehen. Durch abgestimmte Abläufe soll erreicht werden, dass Gefährdungen früher erkannt und Betroffene nach Erkrankungen schneller und nachhaltiger wieder in den Arbeitsprozess integriert werden können.

Ein weiterer Schwerpunkt der Reformvorschläge betrifft die betrieblichen Gefährdungsbeurteilungen. Arbeitgeber sind gesetzlich dazu verpflichtet, auch psychische Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz zu ermitteln und entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Die NPK mahnt an, diesen Prozess praxisnäher zu gestalten. Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) müssten Gefährdungsbeurteilungen hinsichtlich psychischer Belastungen einfacher handhabbar und digitaler umsetzbar sein, um bestehende Hürden bei der praktischen Umsetzung im Betriebsalltag abzubauen.

Finanzielle Anreize und Verankerung in der Bildung

Neben bürokratischen Vereinfachungen setzt das Bündnis auf finanzielle Impulse für die Arbeitgeberseite. Konkret spricht sich die NPK für eine stärkere steuerliche Begünstigung von Leistungen der betrieblichen Gesundheitsförderung aus. Dadurch sollen für Unternehmen zusätzliche Anreize geschaffen werden, kontinuierlich und eigeninitiativ in gesundheitserhaltende Maßnahmen für ihre Belegschaften zu investieren.

Darüber hinaus betont das Positionspapier, dass der Erhalt der Erwerbsfähigkeit bereits vor dem eigentlichen Eintritt ins Erwerbsleben beginnen muss. Die NPK fordert daher, Sicherheits- und Gesundheitskompetenzen frühzeitig und verbindlich in Ausbildungs- und Studienplänen zu verankern. Ebenso soll dieses Wissen fester Bestandteil bei der Qualifikation von Führungs- und Personalkräften werden, da dem Verhalten von Vorgesetzten und Personalverantwortlichen eine Schlüsselrolle für das Betriebsklima und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zukommt.

Hintergrund der Initiative

Anlass für das aktuelle Positionspapier ist die Kampagne „Gemeinsam für psychische Gesundheit bei der Arbeit“, die von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) initiiert wurde. Mit ihrer Stellungnahme greift die NPK diese europäische Initiative auf und formuliert konkrete Handlungsschritte für den deutschen Arbeitsmarkt.

In der Nationalen Präventionskonferenz arbeiten die Träger der gesetzlichen Sozialversicherung eng zusammen, um bundesweite Präventionsziele zu formulieren und abzustimmen. Zu den stimmberechtigten Mitgliedern und tragenden Säulen des Gremiums gehören der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Spitzenverband), die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), die Deutsche Rentenversicherung Bund sowie die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). Zudem wirkt der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) an der Initiative mit.

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Bürgerjournalisten, denen der Naturschutz sehr am Herzen liegt.